Die Sentimentanalyse versucht mit Hilfe verschiedener Indikatoren die Stimmung der Marktteilnehmer zu erfassen. Die Masse der Anleger, so die Annahme, liegt immer falsch. Wenn beispielsweise die Mehrheit der Marktteilnehmer bereits investiert hat, fehlen einfach zusätzliche Nachfrageimpulse, um die Kurse weiter nach oben zu bewegen. Andererseits kann kein zusätzlicher Abgabedruck erzeugt werden, wenn die Mehrheit der Akteure unterinvestiert hat. Darüber, wie sich die Marktteilnehmer positioniert haben, soll die Stimmung (das Sentiment) der Anleger Hinweise geben. Denn Anleger machen fast immer ihre Einschätzung der künftigen Marktentwicklung von der eigenen Positionierung abhängig. Sentimentindikatoren sind daher meist als Kontraindikatoren zu sehen. Die wichtigsten Indikatoren im Bereich der Sentimentanalyse sind:
Bull/Bear-Ratio Put-Call-Ratio
Fazit
Bull/Bear-Ratio:
Das Bull/Bear-Ratio ermittelt sich aus einer wöchentlichen Umfrage amerikanischer Vermögensverwalter. Die Anzahl der positiv eingestellten wird mit der negativ eingestellter Berater ins Verhältnis gesetzt. Ein aus diesem Verhältnis gebildeter hoher Indexwert reflektiert eine grosse Anzahl positiv gestimmter Berater und liefert dementsprechend ein negatives Signal.
nach oben ↑
Put-Call-Ratio:
Der Put-Call-Indikator setzt die Anzahl gekaufter Verkaufsoptionen ins Verhältnis mit der gekaufter Kaufoptionen ins Verhältnis. Je höher der Indexwert, desto mehr Marktteilnehmer rechnen mit fallenden Kursen. Auch wie bei dem vorher beschrieben Bull/Bear-Ration gilt hier, dass ein hoher Wert als Verkaufssignal gewertet wird.
nach oben ↑
Fazit
In den letzten Jahren hat die Sentimentanalyse eine starke Popularität gewonnen. Mit zunehmender Verbreitung sind auch immer neue und komplexere Indikatoren geschaffen worden. Die Grundidee ist bei allen Ansätzen der Sentiment-Analyse dieselbe, nämlich dass die Mehrzahl der Marktteilnehmer immer verkehrt liegt. Folglich lassen sich auch die Vor- und Nachteile der Sentimentanalyse auf alle aus ihnen abgeleiteten Indikatoren übertragen. Ein grundsätzliches Problem ergibt sich aus der zunehmenden Verbreitung der Sentimentindikatoren selbst. Dadurch, dass sich ein zunehmender Anteil von Anlegern an diesen Indikatoren orientiert, wird eine konträre Positionierung schwieriger. Problematisch ist auch die Verwendung von Sentimentindikatoren in starken Trendphasen, da diese relativ früh Signale generieren. Anleger können deshalb bei ausschliesslicher Betrachtung von Sentimentindikatoren zu früh oder zu spät in einen Markt ein- oder aussteigen. Ein besonders anschauliches Beispiel für diese Problematik bietet die Jahrhunderthausse 1999/2000. Einseitig auf Sentimentanalyse agierende Anleger haben einen erheblichen Anteil der Aufwärtsbewegung versäumt, weil die Stimmungsindikatoren schon weit vor Erreichen der Hochpunnkte in den Märkten massiv Verkaufsignale sandten.
nach oben ↑
weiter
|