| Zyklusanalyse |
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Zyklustheorien gehen davon aus, dass ökomische Entwicklungen durch regelmässig wiederkehrende Muster erklärbar sind. Künftige Prognosen stützen sich daher auf historisches Datenmaterial, das abhängig von den Kernaussagen der verwendeten Theorie entsprechend aufgearbeitet und ausgerwertet wird. Die aufgeführte Zusammenfassung soll einen Überblick über die wichtigsten Zykustheorien geben.
Konsum-Zyklus-Theorie
Der Konsumzyklus setzt die einzelnen Lebensabschnitte des Konsumenten in Beziehung zu seinen jeweiligen Konsumausgaben. Dabei geht die Konsumzyklustheorie von der Premisse aus, dass jeder Lebensabschnitt eines Verbrauchers, unabhängig von seinen individuellen Bedürfnissen, ganz typische Merkmale aufweist, welche sich auf die breite Masse der Konsumenten übertragen lassen. Die Theorie stützt sich auf die Auswertung statistischer Datensätze. Demnach gliedert sich der typische Konsumzyklus eines Verbrauchers in unterschiedliche Abschnitte. In aller Regel gründet der Durchschnittskonsument mit Anfang 20, nach Eintritt ins Berufsleben oder mit Beginn des Studiums, seinen eigenen Hausstand. Zu diesem Zeitpunkt ist das verfügbare Einkommen noch recht gering und dient fast ausschließlich zur Befriedigung von Basisbedürfnissen. Die Heirat und das erste Kind mit Ende 20 verändern das Konsumverhalten des Durchschnittsverbrauchers. Die Realisierung der Konsumwünsche wie Möbel, ein größere Wohnung und ein Auto werden durch ein mit dem beruflichen Erfolg gewachsenen Einkommen ermöglicht. Bis Mitte 30 erfolgt die Geburt des zweiten Kindes. Infolge der dadurch nochmals gesteigerten Konsumbedürfnisse sowie gewachsener Ansprüche, weist der Durchschnittsverbraucher mit Mitte 40 die höchste Verschuldungsquote in seinem Leben auf. Einige Jahre später (mit Ende 40) erfolgt das Konsummaximum. Nach dem die Kinder das elterliche Haus verlassen haben und ihren eigenen Konsumzyklus starten, wird das Sparmaximum unseres Durchschnittskonsumenten mit Mitte 50 erreicht. Nach Überschreiten des 60. Lebensjahres erreicht der konsument auch sein Vermögensmaximum. Konsumzyklen sind der eigentliche Schrittmacher für ökonomische Entwicklungen. Erhöhte Konsumausgaben verlangen von Unternehmen entsprechende Investitionen in Produktions- und Sachanlagen, um diese zu befriedigen. Ein Konsumzyklus setzt daher auch immer einen Investitionszyklus in Gang, der die Unternehmensgewinne positiv beeinflusst. Das Fehlen von Konsumausgaben in Folge demographischer Kontraktion übt daher negative Auswirkungen auf das Wachstum einer Volkswirtschaft aus. In wieweit der oben beschriebene Konsumzyklus auch künftig Gültigkeit besitzt, bleibt eine offene Frage. Die verstärkte Individualisierung der Gesellschaft und eine steigende Lebenserwartungen lassen tiefgreifende Änderungen im Konsumzyklus erwarten. Eng an den Konsum-Zyklus ist die Theorie des Demographie-Zyklus angelehnt. Aufbauend auf den Erkenntnissen des Konsumzyklus sucht der Demographie-Zyklus Volkswirtschaften, die künftig eine besonders hohe Anzahl konsumfreudiger Verbraucher vorweisen. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Bevölkerungsgruppe der 30-50 Jährigen gelegt, die, im Vergleich zu anderen Altersgruppen, ein Maximum an Konsumausgaben aufweist. Der Idee des Konsumzyklus folgend, müssten Nationen mit starken demographischen Rahmendaten in der entscheidenden Altersgruppe der 30-50 Jährigen besonders hohe Wachstumsperspektiven aufweisen. Historisch betrachtet hat sich der Demographie-Zyklus als durchaus valides Instrument erwiesen, um lang anhaltende und wachtumsstarke Wirtschaftszyklen zu prognostizieren. Exemplarisch sei hier der 1982 in den USA einsetzende Wirtschaftsaufschwung aufgeführt, der auf die sogenannten Baby-Boomer, d.h. die in den 50er und 60er jahren geborene Generation, zurückgeführt wurde. Wie in der Konsum-Zyklustheorie angenommen, startete diese Generation ihren Konsum-Zyklus am Ende der 70er und Beginn der 80er Jahre und kurbelte dadurch das Wachstum der US-Wirtschaft für zwei Jahrzehnte nachhaltig an. Ein weiteres Beispiel für die Wirksamkeit des Demographie-Zyklus ist der wirtschaftliche Aufschwung in den USA zwischen 1900-1929, der durch den Beginn des Konsum-Zyklus der zahlenstarken Henry-Ford-Generation ausgelöst wurde. Die seit nun mehr zwei Jahrzehnten andauernde Wachstumsschwäche der japanischen Ökonomie fällt mit einer in diesem Land negativen demorgrapischen Entwicklung zusammen. Japan ist die einzige westliche Industirenation, die keinen "Baby-Boom" nach dem 2.Weltkrieg erlebt hat. Die demograpische Rezession setzte hier früher ein. Entsprechend schwach ist in Japan die Altersgruppe derjenigen vertreten, welche die höchsten Konsumausgaben leisten, mit entsprechend negativen Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Mitte der 20er Jahre entdeckte der russiche Nationalökonom Kondratjew, dass ökonomische Zyklen in lang anhaltenden Wellen verlaufen, die jeweils einen Zeitraum von 40-60 Jahren umfassen. Schumpeter stellte 1939 einen direkten Zusammenhang zwischen dem Auftreten eines lang anhaltenden Wirtschaftszyklus und dem auftreten technischer Innovationen auf. Demnach wird ein lang anhaltender Wirtschaftszyklus oder Kondratjew-Zyklus von 40-60 Jahren immer durch technische Basisinnovationnen ausgelöst, die einen nachaltigen Einfluss auf die Produktions-, Arbeits- und Konsummuster von Volkswirtschaften ausüben. Jeder Kondratjew-Zykklus kann in kleinere Subzyklken wie den Kitchin-Zyklus (3-4 Jahre) oder Juglor-Zyklus (7-11 Jahre) unterteilt werden, die die Dauer von mehr oder weniger kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen beschreiben. Bisher ist es zum Auftreten von 5-Kondratjew-Zyklen gekommen, wobei die Forschung sich auf die Neuzeit beschränkt und vorausgehende Epochen aufgrund fehlenden empirischen Datenmaterials unberücksichtigt lässt. Die Erfindung der Dampfmaschine gegen Ende des 18 Jahrhunderts läutete den ersten Kondratjew-Zyklus ein. Der zweite grosse Zyklus wurde Mitte des 19 Jh. durch Erfindung der Eisenbahn eingleitet. Um 1900 gab das Entstehen der Elektro-, Chemie- und Automobilindustrie den Ausschlag für das Entstehen des 3. Kondratjew-Zyklus. Die in den 1930er und 1940 er Jahren entstehende Elektronik- und Automobilindustrie setzte die 4. Welle in Gang. Der Beginn des 5. Kondratjew-Zyklus fiel mit der Entstehung der IT-Industrie am Beginn der 80er Jahre zusammen. Hervorzuheben ist noch einmal, dass jede Basisinnovation, die einen Zyklus einleitete, eine nachhaltige Änderung der Produktions- ,Arbeits- und Konsummuster auslöste. So führte die Dampfmaschine zur der Entstehung einer Arbeiterklasse und beschleunigte industrielle Produktionsprozesse. Sinkende Produktionskosten machten wiederum Konsumgüter wie Tuchstoffe im Laufe des 18 Jh. einer breiten Masse zugänglich. Wiichtig ist, dass eine Aufschwungphase gewöhnlich länger anhält als eine Abschwungphase. Der Höhepunkt eines Zykklus ist nach ungefähr 25 Jahren erreicht, wenn das produzierte Angebot schneller als die Nachfrage wächst. Ab diesem Augenblick beginnen die Güterpreise zu sinken, was wiederum zu nachlassenden Investitionsanreizen führt. Die ensetztende Abschwungphase kennzeichnet eine zunehmende Arbeitslosigkeit und eine nachlassende Kaufkraft. In wieweit die Kondratjew-Zyklen verwertbar sind, ist unter Volkswirtschaftlern umstritten. Sicherlich kann man nicht die Existenz von zyklischen Bewegungen in der Ökonomie bestreiten. Ob diese Erkenntnis auch tatsächlich für konkrete Handlungsentscheidungen von Nutzen sind, bleibt ganz einfach deshalb dahingestellt, weil sich viele Entwicklungen erst aus der Analyse empirischer Daten rekonstruktieren lassen. Video zum Thema, http://www.boerse.ard.de/, 05.02.2010 (Link) |
| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 06. Februar 2011 um 21:52 Uhr |



