| Anleihen |
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Eine Anleihe ist eine Schuldverschreibung. Das heißt, dass der Gläubiger (Käufer) dem Emittenten (Verkäufer) der Anleihe Geld zur Verfügung stellt, dass nach bestimmten Konditionen ausgegeben, verzinst und getilgt (zurück gezahlt) wird. Neben den unten beschriebenen Konditionen ist auch die Bonität (Zahlungsfähigkeit) des Emittenten von großem Interesse. Die Bonität ist ein Anhaltspunkt dafür, ob der Emittent das geliehene Geld später auch wieder wird zurück zahlen kann. Wenn zum Beispiel ein Unternehmen insolvent ist, kann es die von ihm ausgegebenen Anleihen womöglich nicht wieder auszahlen. In diesem schlimmsten Fall erleiden die Gläubiger einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Jedoch gilt das durch die Ausgabe von Anleihen eingenommene Geld aus Sicht des Unternehmens als Fremdkapital (Unternehmensanleihe = "Corporate Bond"), so dass im Falle einer Insolvenz die Gläubiger (Anleihen-Käufer) vor den Eingentümern (Aktien-Besitzer) aus der Insolvenzmasse bedient werden. Anleihen werden wie auch Aktien an Börsen gehandelt. Es ergibt sich daher ein Kurs. Beim Kauf und Verkauf von Anleihen muss der Anleger neben dem Kurs auch die Ordergebühren entsprechend dem Preis-Leistungs-Verzeichnis seiner Bank bezahlen. Bei Fälligkeit (Rückzahlung) einer Anleihe fallen keine Gebühren an.
Der Kaufpreis einer Anleihe beläuft sich zunächst auf diesen Betrag, der am Laufzeitende wieder zurück gezahlt wird (Nennwert):
Es kommt allerdings auch vor, dass der Kaufpreis einer Anleihe durch den Handel an der Börse, oder aufgrund des Anleihen-Typs höher oder niedriger als der Nennwert liegt. Man spricht dann davon, dass eine Anleihe unter bzw. über pari (pari = 100% vom Nennwert) verkauft wird. Im Falle der Ausgabe unter Pari, verdient der Gläubiger alleine dadurch, dass der Betrag, der am Laufzeitende zurück gezahlt wird (Nennwert), über dem Kaufpreis liegt, den er für die Anleihe gezahlt hat. Bei einer Ausgabe über pari gilt entsprechend das Gegenteil. In diesem Fall müssen die Zinszahlungen während der Laufzeit den Verlust durch den Kaufpreis, der über dem Rückzahlungsbetrag liegt, ausgleichen.
Kauf einer Anleihe unter pari:
Wird eine Anleihe, die keine Zinszahlung vorsieht (Nullkupon-Anleihe) zum Beispiel zu 97% des Nennwerts ausgegeben und beträgt die Laufzeit genau 360 Tage, so entspricht die Rendite für einen Nennwert von 1.000 €:
Kaufpreis = Nennwert * 97% = 1.000 € * 97% = 970 €
Handelsgewinn = Nennwert - Kaufpreis = 1.000 € - 970 € = 30 €
Die Rendite laut dem Beispiel würde sich also auf 3,09 % belaufen.
Bei unverzinslichen Schatzanweisungen (Bundeswertpapiere) haldelt es sich ebenfalls um so genannte Nullkupon-Anleihen.
Zusätzlich zum Kaufpreis können Stückzinsen anfallen, sollte man die Anleihe nicht direkt am ersten Tag der Ausgabe erwerben.
Stückzinsen pro Tag = Nennwert * Zinssatz / Anzahl Tage
Kauft man eine solche Anleihe zum Beispiel 65 Tage nach Auflegung, so müssen zusätzlich zum Kaufpreis Stückzinsen in Höhe von 65 Tage * 0,0833... € pro Tag = 5,4166... € ≈ 5,42 € gezahlt werden.
Der Kauf einer Anleihe geschieht meist während der Laufzeit, so dass Stückzinsen anfallen:
Für die Überlassung des Kaufpreises zahlt der Emittent (Verkäufer) der Anleihe Zinsen (immer bezogen auf den Nennwert!). Die Zinszahlungen können anhand eines vorher vereinbarten festen Zinssatzes oder durch einen variablen Zinssatz geregelt sein. Weiter führende Varianten beinhalten auch Mischformen von festem und variablem Zins. Die Regelungen zu den Zinszahlungen sind im so genannten Zinskupon festgehalten. Wird die Rendite allein über die Differenz aus Kaufpreis und dem später zurückzuzahlenden Nennwert erzielt, handelt es sich um eine Nullkupon-Anleihe.
Zur Berechnung der Rendite einer festverzinslichen Anleihe sollen beispielhaft folgende Konditionen gelten: Anleihen-Typ: Unternehmensanleihe Ordergebühren der ausführenden Bank: 0,25% vom Kurswert, mind. 9,90 € Für dieses Beispiel wird ein Anlagebetrag von 1.000 € + Kaufkosten angenommen.
Kaufpreis = 1.000 € + Kaufkosten + Stückzinsen
Insgesamt fallen für die Transaktion also 1.038,62 € an.
Nennwert = 100 € / Kurs * Anlagebetrag
Zum Termin der Fälligkeit wird der Emittent demnach, neben den während der Laufzeit fälligen Zinsen, einen Nennwert in Höhe von 1.052,63 € zurückzahlen. Die Rückzahlung des Nennwerts wird fällig am 15.01.2006 + 5 Jahre = 15.01.2011. Da das Kaufdatum der 22.07.2009 ist, fallen bis dahin noch zwei Zinstermine, nämlich am 15.01.2010 und am 15.01.2011 an. Die Zinsen (5,50%) beziehen sich immer auf den erworbenen Nennwert (1052,63 €). Die jährliche Zinszahlung zum Zinstermin beträgt demnach:
Zinsen = Nennwert * Zinssatz
In Summe ergeben sich folgende Zahlungsströme und Zeitpunkte:
Für die Ermittlung der Rendite bedienen wir uns der Berechnung des Barwerts. Hierbei werden die Zahlungen des 1. und 2. Zinstermins sowie die Rückzahlung des Nennwerts anhand der Zinsmethode act/360 insoweit abgezinst, dass ihr Wert zum 22.07.09 dem Kaufpreis entspricht. Der hierbei iterativ zu ermittelnde Zinssatz entspricht der Rendite dieses Beispiels:
Herleitung der Barwert-Formel:
Berechnung der einzelnen Barwerte: Barwert 1. Zinstermin = 57,90 € / (1 + Zinssatz * (15.01.2010 - 22.07.2009) / 360)
Barwert 2. Zinstermin = 57,90 € / (1 + Zinssatz * 542 / 360)
Barwert Rückzahlung Nennwert = 1.052,63 € / (1 + Zinssatz * 542 / 360)
Der Zinssatz, für den die Summe aller Barwerte (1. und 2. Zinstermin plus Rückzahlung Nennwert) den Kaufpreis ergibt, ist 8,6116...% ≈ 8,61%.
b) variabel verzinsliche Anleihen Variabel verzinsliche Anleihen funktionieren fast genau so, wie fest verzinsliche Anleihen. Der Unterschied besteht darin, dass, wie der Name schon sagt, die Verzinsung des Nennwerts an im Vorhinein vereinbarte, zum Beispiel Geldmarktsätze wie den EURIBOR oder LIBOR gekoppelt ist, die sich während der Laufzeit verändern. Die Rendite einer solchen Anleihe lässt sich für dieses Produkt naturgemäß nicht mehr exakt voraussagen. Man kann jedoch versuchen, die Entwicklung des Referenzzinssatzes vorherzusagen und ausgehend von diesem "Normalfall" ein best- und worst-case Szenario zu entwickeln. Auf diese Weise erhält man ein Bild von der Spannweite des Ertrags und auch Risikos, dem die Anlage von Kapital in ein solches Produkt unterliegt. Beispiel: Es werden 1.000 € in eine variabel verzinsliche Anleihe zum Nennwert und, der Einfachheit halber, ohne Kaufkosten zum 22.07.09 investiert. Der Zinstermin ist jeweils am 15.01. Der Zinssatz entspricht dem 3-Monats-EURIBOR vom Vortag (14.01.) plus 1,5%. Die Anleihe ist fällig zum 15.01.2011.
Entsprechend der genannten Konditionen ergeben sich folgende Zahlungen und Termine:
Laut den Konditionen berechnet sich der Zinssatz aus dem Zinssatz des EURIBOR vom Vortag (14.01) plus 1,5%. Der EURIBOR hat sich bis zum 01.07.09 folgendermaßen entwickelt:
Für den Fall, dass der Zinssatz sich ab sofort wieder erholt, könnte man annehmen, dass zum 14.01.2010 ein Zins von vielleicht 1,5% und zum 14.01.2011 von 3,0% erreicht wird (Normalfall). Nun mag die derzeitige Finanzkrise doch noch größere Nachwirkungen haben. Im schlechtesten Fall könnte man annehmen, dass der 3M-EURIBOR zum 14.01.2010 nur 1,0% und ein Jahr danach, zum 14.01.2011 nur 1,5% erreicht (worst-case). Eine eher optimistische Einschätzung mag lauten, dass der 3M-EURIBOR zum nächsten Zinstermin am 14.01.2010 bereits wieder 2,5% und ein Jahr darauf zum 14.01.2011 bereits schon wieder 4,5% erreicht hat. Die Renditen, berechnet wie unter a) festverzinsliche Anleihen beschrieben, belaufen sich für die verschiedenen Szenarien auf: "Normalfall": 5,0817... % Laut den getroffenen Annahmen lässt sich bestimmen, dass bei einer Kapitalanlage von 1.000 € in das entsprechende Produkt mit einer Rendite von ca. 5,0% gerechnet werden kann. Da der Zinssatz jedoch variabel ist, mag im schlechtesten Fall eine Rendite von nur 3,7%, im besten Fall eine Rendite von 6,8% erreicht werden. Die Entscheidung, ob eine derartige Kapitalanlage gewählt wird hängt davon ab, wie die Entwicklung des Referenzzinssatzes vorhergesehen wird und welche Alternativen zur Verfügung stehen.
Anleihen sind eine sehr interessante Anlageform. Wie an den Beispielen gezeigt, kann die Rendite auf den zweiten Blick sehr gut ausfallen. Der Berechnungsaufwand ist allerdings relativ hoch. Aufgrund ihrer exakten Planbarkeit sind Anleihen als Finanzierungsinstrument sehr gut geeignet. Zu beachten ist jedoch, dass Anleihen insbesondere dem Inflationsrisiko unterworfen sind. Um Kaufkraftverluste zu vermeiden sollte die geplante Rendite daher, wie eigentlich bei allen Anlageformen, stets höher ausfallen als die Inflationsrate. Anleihen sind als Anlageform zwar bekannt, sie werden jedoch im privaten Bereich noch wenig intensiv genutzt, obwohl in diesem Markt möglicher Weise sehr gute Renditen zu erzielen sind. Interne Links Steuern - Einkünfte aus Kapitalvermögen |
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| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 06. Februar 2011 um 21:34 Uhr |






